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Die Granny Cloud oder das Loch in der Wand

Ein lesenswerter Artikel über Sugata Mitra, Professor für Educational Technology an der englischen Newcastle University. Einem, der loszog, um mit seinem Hole-in-the-wall-Experiment die Erkenntnisse von Bildungsforschern über den Haufen zu werfen. Mit dem Experiment wollte er zeigen, dass sich Kinder auch ohne traditionellen Schulunterricht selbst Dinge am PC beibringen können – selbst wenn sie vorher noch nie einen PC gesehen haben.

Sugata Mitra – the professor with his head in the cloud

The story of how Sugata Mitra put a computer in a hole in a Delhi wall at the end of the last century and how uneducated children used it to teach themselves all manner of things is now well known. So is the story of how Mitra’s work inspired the novel, Q&A, that became the film Slumdog Millionaire.

Mitra war es auch, der die „Granny Cloud“ ins Leben rief. Diese soll Kinder in infrastrukturarmen Regionen dabei unterstützen, sich selbstständig und mit der Hilfe von Freiwilligen (sogenannten „grannies“) Wissen anzueignen.

The ‚granny cloud‘: the network of volunteers helping poorer children learn

Every week Lorraine Schneiter, a former Open University tutor, sits down in front of her computer, opens up Skype, and calls a group of children in India. And then they chat. What about? „It depends on them. I have some suggestions up my sleeve but I always try to wait and see what they want to talk about.

Personalisiertes Lernen

Regelmässig taucht in der Bildungswelt das Schlagwort „Personalisiertes Lernen“ auf. Oft, sehr oft im Zusammenhang mit der Digitalisierung des Lernens. Oder dann, wenn sich führende IT-Persönlichkeiten Gedanken zur digitalen Zukunft machen. Wie unlängst Mark Zuckerberg zusammen mit seiner Frau Priscilla Chan in einem offenen Brief an ihre gerade geborene Tochter Max.

A letter to our daughter

Your mother and I don’t yet have the words to describe the hope you give us for the future. Your new life is full of promise, and we hope you will be happy and healthy so you can explore it fully. You’ve already given us a reason to reflect on the world we hope you live in.

Der Bildungsaspekt

Natürlich wurde dieser Brief Satz für Satz von verschiedenster Seite betrachtet und analysiert. Teils auch zerrissen. Interessant sind Zuckerbergs Äusserungen aber allemal. Nicht zuletzt deshalb, weil er sich Gedanken zur zukünftigen Ausbildung seiner Tochter macht.

Diesen Aspekt nimmt auch Howard Gardner, ausserordentlicher Professor für Psychologie an der Harvard University, in seinem Kommentar auf.

A primer for Mark Zuckerberg on personalized learning – by Harvard’s Howard Gardner

The world now knows that Facebook founder Mark Zuckerberg and his wife, Priscilla Chan, are going to over time donate 99 percent of the Facebook stock they own to „advance human potential and promote equality for all children,“ a pledge they made this week as they announced the birth of their daughter, Max.

Gardner schlägt einen Bogen zum Konzept des Personalisierten Lernens und fasst vier wichtige Ausgangsmodelle zusammen:

  • Single-Lernpfad
    Das einfache Modell eines Lernpfads, den der Lernende in seinem individuellen Tempo begehen kann.
  • Bevorzugter Content
    Das Modell der starken intrinsischen Motivation. Man beschäftigt sich gerne mit Inhalten, die einem interessieren.
  • Verschiedene Lernstile
    Das Modell, nach dem sich Lernende verschiedenen Lernstilen zuordnen lassen: visuell, auditiv, personen- oder medienorientiert.
  • Verschiedene Intelligenzen
    Mehr Erfahrung als Modell: Jeder hat seine Stärken und Schwächen.

Coaching, BigData und das nötige Kleingeld

Stellt sich die Frage, wie personalisiertes Lernen ermöglicht werden kann. Fakt ist: es braucht nicht unbedingt digitale Instrumente. Eine gute Lehrperson, der sich weniger als Wissensvermittler sondern als individueller Coach betrachtet, kann die Lernumgebung und das Lernerlebnis auf die Bedürfnisse des Einzelnen personalisieren. Allerdings ist das recht aufwändig und so kommt man schnell auf die Idee, die „Persönlichkeit“ des Lernenden mit Algorithmen zu erfassen und damit ein individuelles Lernsetting zu erschaffen.

Hier wird schnell klar, dass diese Algorithmen komplex sind und dass sie mit umfangreichen Daten gefüttert werden müssen. Durchaus ein zukünftiges Aufgabengebiet für Facebook und Co. Denn nur dort sind sowohl Daten wie auch praktisch unbegrenzte finanzielle Ressourcen vorhanden, um die entsprechenden Technologien zu entwickeln.

Wider dem „one size fits all“-Ansatz

Wie auch immer die technologische Umsetzung und die dahinter liegenden Geschäftsmodelle aussehen werden: wir alle sind aufgefordert, personalisiertes Lernen zu ermöglichen und den „one size fits all“-Ansatz endlich zu beerdigen. Warum? Darum:

Ken Robinson: Do schools kill creativity?

Sir Ken Robinson makes an entertaining and profoundly moving case for creating an education system that nurtures (rather than undermines) creativity.

#PersonalisiertesLernen #Digitalisierung #Zukunft #Intelligence

Photo by Mario Spann